Das Veilchen I

 

Müde, ja gar ausgebrannt

sah er nicht, was vor ihm stand.

Zart, belesen, hübsch und fein,

kann das nur ein Veilchen sein.

 

Sie starrt ihn an, sodass er sie bemerke,

aufmerksam zu sein ist leider seine Stärke

nicht und zum Erwidern ihres Grußes

streift er galant die Spitze ihres Fußes.

 

Ihr erklärtes Ziel, dass er sie seh’

(au!, als Preis: ein blauer großer Zeh),

hat sie erreicht und er, so ganz entzückich,

beschließt sogleich: »Kein Zweifel, ja die pflück’ ich.«

- aus: sieben botanische Kanons, ein Herbarium

Sara Wohlhüter: Sopran,  Jasmin Schaff: Alt,

Ronan Caillet-Ménégoz: Tenor, Martin Peters: Bass - 17.02.2016

Zeitungsausschnitt "aus der Kreiszeitung Wunderhausen", vermisstes Instrument, SKIZZENBLOCK, NEUES ZEUG, 2015

Der Ausflug

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

- aus dem SKIZZENBLOCK

Die Sache mit dem Wort (Auszug)

 

Die Sache mit dem Wort scheint schon hinlänglich bekannt, wurde vielmals gedreht und

gewendet, sachlich, wie wörtlich, wohl gemerkt. Es scheint mir trotzdem angebracht, einige

Anmerkungen im Vorwort anzubringen, weniger als Tatsache proklamierend, als vielmehr um das

Wortfeld und somit den Sachbereich abzustecken.

 

Im Anfang war das fleischlose, undingliche Wort, das die Sache schuf. Die Sache wiederum begriff

das Wort und benutzte es um Sachen zu beworten, die offensachlich vor den Augen worten.

Sogesache:

das Wort – die Sache – das Wort – steht.

Die Sache nämlich: - das Wort – ist.

Die Sache – nehm‘ ich – dem Wort nicht ab

- will ich meinen.

 

Theoretisch, in einer Nicht-Wort-Welt, die sprach-, also sachlos, ist die Frage Laut oder –los und

wenn ja wie sich Sachlaut vorstellen. Sprachlose Er_kennt_is… „fremd“, hauptsächlich, Sachwort ich, auch fremdsächlich geworten. Bedingung und –deutung, kein Ding und Deut besser, nur weil mein Wort –schuh und Hand dazu schuf. Ich worte das Schuflade, und sache: man muss wort von Gehirn in laden, nach ladenlos sachen, ohne sachlos zu worten. Ebensache im Klaren sein, dass begriffen Wort sachlich, un- Wort laut. Und es wort laut, sachlos wortgemerkt. Diesen Gedanken wortgeführt: Sachlaut ist wortlos. (...)

- aus: wortsächlich fortgeführt

(Rose)

 

Setz Dich zu mir, mein Freund.

Doch setze Dich nicht auf den Boden,

setze auf die Zuversicht, Dich.

Nicht ins Gras,

auf den Südwind setze Dich.

Und sagst du: da bin ich,

sag ich: du strichst mir gestern schon durchs Haar.

 

Doch verrat' mir Deinen Namen nicht,

im Gedicht der Nachtigall verstecke Dich,

und zeig mir nicht Dein Gesicht,

Frau Mond nur soll es schauen.

Doch, bitte, schließe mir die müden Augen nicht,

im Traume will ich wachen!

Und wenn ich sehe,

ja, wenn ich höre,

wie mein Geliebter schön ist!,

erröte ich sogar im Schlafe.

 

Und siehst du mich am nächsten Morgen dann,

beachte nicht mein Gähnen,

das sind bloß die Worte, die mir fehlen.

Und nach den Träumen frage nicht,

sag nur: bis bald.

Und gehst du dann,

sag ich: du kehrest wieder.

Und fragst du, warum ich weine,

sag ich: es ist nur Tau auf meiner Wange.

Es muss

 

Ein Hund und sein Herrchen

gehen spazieren,

der Herr, weil er will,

der Hund, weil er muss.

Doch es kommt wohl vor,

dass der Hund nicht muss,

was der Herr nicht mag

(der Wohnzimmerteppich ist neu).

Doch an diesem Tag

läuft alles wunderbar,

was ein toller,

was ein toller Hund.

- aus: Weltfrieden und so

Helena Bickel: Sopran, Clemens K. Thomas: Klavier - 2013

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Fotografien © 2015 by Johannes Hirsch